ARTIKEL
Woher kommt die Angst vor E-Nummern?
Bei Zöliakie ist die Angst weit verbreitet, dass Gluten in Folgendem versteckt sein kann:
E-Nummern,
Zusatzstoffen,
technischen oder „unklaren“ Zutaten.
Diese Angst führt oft dazu, dass lange Listen von vermeintlich gefährlichen Zusatzstoffen überprüft, ansonsten sichere Lebensmittel ausgeschlossen und ständige Unsicherheit bei der Ernährung erzeugt werden. In der Praxis erhöht dies nicht die Sicherheit, sondern verursacht oft mehr Stress und schränkt die Ernährung unnötig ein.
Was sagt die europäische Gesetzgebung?
In der Europäischen Union gilt eine klare und strenge Gesetzgebung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln, insbesondere Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, die vorschreibt, dass alle Allergene klar und verpflichtend auf dem Etikett angegeben werden müssen.
Das umfasst auch:
Weizen
Roggen
Gerste
Hafer
Gluten an sich
Insgesamt müssen 14 Allergene gekennzeichnet werden, die ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Wichtige Tatsache:
Wenn eine Zutat – auch ein Zusatzstoff oder eine E-Nummer – Gluten enthält oder aus einer glutenhaltigen Quelle stammt, muss dies klar auf der Verpackung angegeben werden.
Gluten kann sich nicht „verstecken“ in E-Nummern
Einer der häufigsten Mythen ist, dass Gluten sich hinter einer E-Bezeichnung oder einem technischen Begriff verstecken kann. Das stimmt einfach nicht.
Gluten:
kann nicht nur als Zahl angegeben werden,
kann nicht in einer E-Bezeichnung verborgen sein,
kann nicht von der Deklaration ausgeschlossen werden.
Wenn ein Zusatzstoff Weizen, Gerste oder eine andere glutenhaltige Quelle enthält, muss dies ausdrücklich angegeben werden, normalerweise auch grafisch hervorgehoben (z.B. fett gedruckt unter Allergenen).
Warum sind Listen von E-Nummern problematisch?
Im Internet und in sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Listen:
„verdächtigen“ E-Nummern,
„potenziell gefährlichen“ Zusatzstoffen,
„verbotenen“ Zusätzen für Zöliakie-Betroffene.
Diese Listen sind oft:
veraltet,
aus dem Kontext gerissen,
berücksichtigen nicht die geltenden Gesetze,
eine Quelle unnötiger Angst.
Statt zu helfen, führen sie oft zu übermäßiger Ausschließung von Lebensmitteln, einer einseitigen Ernährung und einem schlechten Verhältnis zur Nahrung.
Was ist wichtig beim Lesen von Etiketten?
Statt Tabellen und Listen reicht es aus, drei Dinge zu überprüfen:
Zuerst Zutaten – enthalten sie Weizen, Gerste, Roggen oder Hafer (außer zertifizierten glutenfreien Hafer)?
Dann Allergene – ist Gluten unter den verpflichtenden Allergenen angegeben?
Und schließlich Hinweis auf Spuren – ist angegeben „kann Gluten enthalten“?
Wenn:
Gluten nicht unter den Zutaten steht,
nicht unter den Allergen angegeben ist,
keine Hinweise auf Spuren vorhanden sind,
➡️ ist das Produkt sicher für Personen mit Zöliakie, unabhängig davon, wie viele E-Nummern es enthält.
Die Deklaration ist ein rechtlich bindendes Dokument
Die Deklaration ist nicht nur ein informativer Text, sondern eine rechtlich verantwortliche Erklärung des Herstellers. Falsche oder irreführende Kennzeichnung stellt einen Gesetzesverstoß dar und kann zu ernsthaften Sanktionen führen.
Deshalb müssen Hersteller:
Gluten nicht „vergessen“ anzugeben,
Allergene nicht verbergen,
diesen nicht dem Zufall überlassen.
Das System ist so gestaltet, dass es den Verbraucher schützt.
Weniger Angst, mehr Wissen
Zöliakie erfordert Vorsicht, aber nicht ständige Angst. Die europäische Gesetzgebung existiert, um uns zu schützen – und funktioniert in der Praxis.
Statt sich auf unbestätigte Listen aus dem Internet zu verlassen, können wir uns auf:
Gesetzgebung,
richtiges Lesen von Deklarationen,
überprüfte Informationen.
Das bedeutet mehr Freiheit, mehr Auswahl und eine höhere Lebensqualität mit Zöliakie.
Was gibt es Neues?








