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Was hat sich eigentlich geändert?
Es geht nicht um völlig neue Regeln, sondern um eine Stärkung des bestehenden Systems.
Der Schwerpunkt liegt heute auf:
stärkerem Fokus auf Allergene im Rahmen von HACCP,
strukturierten und verpflichtenden Risikobewertungen,
der Vermeidung von Kontamination (nicht nur der Kontrolle),
nachweisbaren Verfahren, nicht bloß „guter Praxis“.
Für Hersteller bedeutet das, dass Vorsicht allein nicht mehr ausreicht.
Sie müssen zeigen, wie sie Kontamination konkret verhindern.
Was bedeutet das für Zöliakie?
Für Menschen mit Zöliakie bedeutet das sehr konkrete Veränderungen.
Jeder Hersteller muss analysieren, ob Gluten in ein Produkt gelangen kann.
Besteht ein Risiko, muss er es verringern oder klar kennzeichnen.
Besteht kein Risiko, muss dies auf einer realistischen und dokumentierten Bewertung beruhen.
Das ist keine Frage des Bauchgefühls, sondern eines systematischen Ansatzes.
Wie wird Kreuzkontamination heute beherrscht?
In der Praxis umfasst das mehrere zentrale Maßnahmen:
getrennte Lagerung von Rohstoffen,
getrennte oder gründlich gereinigte Produktionslinien und Werkzeuge,
validierte Reinigungsverfahren,
Kontrolle des Produktionsprozesses (Reihenfolge, Flüsse),
geschultes Personal.
Am wichtigsten ist jedoch, dass all das dokumentiert und nachprüfbar sein muss.
Was bedeutet das für die Kennzeichnung?
Hier kommen wir zu einem der am meisten missverstandenen Bereiche.
In der EU gilt eine klare Regel:
Allergene, einschließlich Gluten, müssen in den Zutaten immer klar gekennzeichnet sein.
Daher:
Wenn Gluten nicht in der Zutatenliste steht, ist das kein Zufall,
es bedeutet, dass das Produkt im Rahmen von HACCP und der Risikobewertung beurteilt wurde.
„Kann Spuren enthalten“ – wirklich freiwillig?
Das sogenannte precautionary allergen labelling (PAL) wird oft als freiwillig bezeichnet, doch das bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt.
Nach den Leitlinien der EU und des Codex:
muss es auf einer Risikobewertung beruhen,
nur verwendet werden, wenn eine Kontamination nicht zuverlässig verhindert werden kann,
darf gute Herstellungspraktiken nicht ersetzen.
Das bedeutet:
Wenn der Hinweis vorhanden ist, gibt es einen Grund,
wenn der Hinweis fehlt, beruht auch das auf einer Analyse.
Kann man Produkten ohne die Kennzeichnung „glutenfrei“ vertrauen?
Auf Grundlage des heute geltenden Systems lautet die Antwort oft: ja.
Wenn ein Produkt:
kein Gluten in den Zutaten enthält,
keinen Hinweis auf Spuren trägt,
dann steht dahinter:
das HACCP-System,
die Risikobewertung,
das EU-Recht.
Das ist kein Rätselraten, sondern ein strukturierter Prozess.
Warum dann so viel Misstrauen?
In der Praxis kommt es aufgrund von Problemen zu:
des übermäßigen Einsatzes des Hinweises „kann enthalten“,
unklarer Kommunikation der Hersteller,
des Vertrauensverlusts bei den Verbrauchern.
Wichtig ist jedoch, den Unterschied zu verstehen:
Vorsicht bedeutet nicht vollständige Einschränkung,
Sicherheit bedeutet nicht ausschließlich zertifizierte Produkte.
Was bedeutet das für den Alltag?
Wenn wir uns nur auf Produkte mit der Kennzeichnung „glutenfrei“ beschränken, dann oft:
verengen wir unsere Auswahl,
erschweren wir alltägliche Entscheidungen,
erhöhen wir die Ernährungskosten.
Die Realität ist jedoch, dass das System nach 2021 so gestaltet ist, dass sichere Entscheidungen auch ohne spezielle Kennzeichnung möglich sind.
Fazit
Die Änderungen bei HACCP nach April 2021 bedeuten:
mehr Kontrolle über Allergene,
besseren Schutz für Verbraucher,
mehr Verantwortung der Hersteller.
Für Menschen mit Zöliakie bedeutet das:
mehr Vertrauen in die Kennzeichnung,
mehr Freiheit bei der Lebensmittelauswahl,
weniger Notwendigkeit, vollständig von der Kennzeichnung „glutenfrei“ abhängig zu sein.
European Commission – Food Safety: Food Allergens
https://food.ec.europa.eu/food-safety/food-information-consumers/food-allergens_en
European Commission – Commission Notice on the implementation of food safety management systems (2022 update, based on Codex HACCP principles)
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52022XC0909(01)Codex Alimentarius Commission – General Principles of Food Hygiene (CXC 1-1969, incl. HACCP 2020 update)
https://www.fao.org/fao-who-codexalimentariusWorld Health Organization & Food and Agriculture Organization – Codex guidance on allergen management and precautionary labelling
https://www.fao.org/fao-who-codexalimentariusEuropean Food Safety Authority – Scientific opinions on food allergens and risk assessment
https://www.efsa.europa.euEuropean Commission – Regulation (EU) No 1169/2011 on food information to consumers
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:32011R1169
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